Zukunftsvision Bavaria Studios

A glimpse into the future: In this video you can experience tourist's path through the Bavaria Film premises according to the vision presented down below.

All further explanations on this page are in German, but here is a summary in English:

Film & TV Studios Site Development:
Future Vision Bavaria Studios

Restructuring and expansion of one of Germany's largest moving image locations 

Film and TV productions are evolving, so the spaces for them must evolve, too. In the scope of this project, I collaborated closely with Bavaria Studios to further develop the Bavaria Film premises, focusing not only on productivity and functionality but also on sustainability and social aspects. The concept ensures both public visibility and a protected working environment while developing suitable structures for the future of the industry. The increasing demand and growth of productions, new formats, digital transformation, technological advancements, and a heightened awareness of social and ecological consequences are currently shaping and altering the requirements and standards for studio spaces in Germany.

Consequently, Bavaria Studios, one of Germany's largest moving image locations, require a plan for (re-)developing the site accordingly. This concept is not only tailored to current needs but particularly to future developments. To this end, I designed a framework for the future development of the studios and the entire Bavaria Film premises near Munich by proposing concepts to reshape, restructure, and expand the existing spaces.

While this project started as my master's thesis, I was employed by Bavaria Studios and Bavaria Film to further develop it. The plans and pictures shown here are from my thesis and don't necessarily represent the actual current planning.

Die Bavaria Studios und das Bavaria-Film-Gelände heute

Gelände der Bavaria Film in Grünwald nahe München, auf einer Seite an die Stadt angebunden, ansonsten umgeben vom Perlacher Forst. (Quelle: Bavaria Studios, 2021)

Das Gelände der Bavaria Film ist in vielerlei Hinsicht besonders und hebt sich mit vielen einzigartigen Qualitäten von anderen Studiostandorten ab: die Lage im Grünen bei dennoch guter Anbindung an die Großstadt, das verhältnismäßig üppig begrünte Gelände, die Vielfalt des Areals, die Möglichkeit zu baulichen Erweiterungen und die Qualität der zwei größten Studios.

Die lange und bewegte Geschichte des Areals hat zur Folge, dass sich Gebäude verschiedenster Stile und Qualitäten aus 100 Jahren Baugeschichte vermischen. Leider zeigt sich dies weniger als charmanter Stilmix mit historisch-industriellem Flair, sondern eher als chaotischer Wildwuchs. Bauten sind vielfach mit Anbauten versehen, an die sich weitere Anbauten reihen, häufig ohne große Rücksicht auf die Außenwirkung. So entstehen „verklumpte“ Gebäudekomplexe ohne klare Form und in der gesamtheitlichen Betrachtung ein Areal ohne erkennbare Struktur. Dies erschwert die Orientierung auf dem Gelände und sorgt für umständliche und lange Wege.

Auch nutzen die Gebäude so nicht optimal die bebaute Fläche aus. Vor allem eingeschossige Bauten, die an größere Gebäude angebaut sind, bieten ein schlechtes Verhältnis von versiegelter Fläche zu nutzbarem Raum. Einige Bauten sind von minderer Qualität, was weder ästhetisch noch nachhaltig ist.

Stärken, Defizite und Potenziale des Areals

Da die Erschließung in erster Linie über die Mitte nach außen hin erfolgt, und unterschiedliche Nutzungen (Studiobetrieb, Büros, Tourismus etc.) auf dem Areal verteilt und durchmischt sind, kreuzen sich ihre Wege vielfach. Auch die Filmtour verläuft über unnötig weite Wege (z.T. durch nicht unbedingt sehenswerte Bereiche) und stört den übrigen Verkehr.

Die Pforte am Eingang des Areals erzeugt als Nadelöhr des Verkehrs häufig Stau. Eine bessere Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel könnte zu weniger motorisiertem Verkehr führen. Diese ist momentan recht umständlich, weil es keine direkte Verbindung vom Münchner Hauptbahnhof gibt. Es lohnt sich also, gemeinsam mit der Gesamtstruktur der Bebauung auch die Verkehrsführung zu optimieren, die ebenfalls einen großen Teil zu einer nachhaltigeren Umweltbilanz, sowie zu mehr Aufenthaltsqualität beitragen kann.

Für den Studiobetrieb besteht Bedarf an weiteren Flächen. Es werden vor allem weitere Lagerflächen benötigt, gute Kommissionierungsflächen an den Studios, mehr Raum für die Dekobau-Werkstatt und bessere Aufenthaltsräume für Team und Publikum. Ein Nachteil der bestehenden Studios ist, dass es keine trockenen Übergänge oder überdachte Außenflächen gibt. Um zukünftig wachsenden Bedarf zu decken, werden auch weitere Studios mitsamt Nebenräumen etc. benötigt.

Viele Qualitäten, viel ungenutztes Potenzial.

Einige Defizite des Bavaria Film Geländes sind mit dem Neubau oder Nachrüsten der entsprechenden Gebäude auszugleichen. Viel mehr noch lässt sich jedoch durch ein Neudenken des gesamten Areals als Gesamtkonzept erreichen.

Umgang mit dem Bestand

Haltung und Kriterien zum Abriss

Die wild gewachsenen Strukturen auf dem Gelände werden neu geordnet, gewissermaßen zurechtgestutzt, ohne jedoch ihren Charakter gänzlich zu verändern. Die groben Richtungen verschiedener Bereiche werden beibehalten, historisch oder funktional relevante Gebäude geben Formen und Achsen vor, an denen sich der Neubau orientiert. Bei der Entscheidung, welche Bauten abgerissen werden sollen, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  1. die Nutzungsgerechtigkeit, d.h. wie gut ein Gebäude der enthaltenen Nutzung dient

  2. die enthaltene graue Energie, d.h. die zum Errichten des Gebäudes notwendige Primärenergie

  3. die historische oder symbolische Bedeutung des Gebäudes für das Areal

  4. die Qualität der Bausubstanz, d.h. wie hochwertig und wie gut erhalten die Konstruktion ist

Ästhetik ist bewusst nicht als Faktor gesetzt, da das Abreißen aus rein optischen Gründen aus ökologischer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht vertretbar ist. Diese Faktoren wurden im ersten Schritt untersucht und diejenigen Gebäude, die sich dadurch als unverzichtbar darstellten, als Grundgerüst der darauf aufbauenden städtebaulichen Struktur gesetzt. Allerdings sind viele Gebäude von minderer Qualität. Einige, die als modulare Container-Bauten errichtet wurden, können versetzt werden, was einen deutlich geringeren Aufwand bedeutet als ein Neubau und kaum neuer Ressourcen bedarf.

Diese Grafiken visualisieren die Bewertung der Bauten nach o.g. Aspekten, die Abbildung unten zeigt als Konsequenz aus diesen Analysen den zu erhaltenden Bestand, zu versetzende Gebäude und den Abriss.

Qualität der Bausubstanz.

Nutzungsgerechtigkeit der Gebäude.

Historischer & symbolischer Wert der Gebäude.

In Gebäuden enthaltene graue Energie.

Bestand und Neubau

Die neue Bebauung orientiert sich in ihrer Höhe am erhaltenen Bestand, wodurch sich vor allem dreigeschossige Bauten ergeben. Insgesamt wird so in der westlichen Hälfte des Areals im Entwurf deutlich weniger Fläche besetzt als mit der aktuellen Bebauung, da viele eingeschossige Gebäude durch höhere ersetzt werden. Dies bewirkt wiederum, dass die engen und verwinkelten Straßen aufgemacht werden, mehr nutzbare Freiräume entstehen und die versiegelte Fläche reduziert wird.

Abriss und Neubau erfolgen in mehreren Phasen, die sich unter anderem an der Restlebensdauer der einzelnen Gebäude orientiert. Der Plan ermöglicht es, die Maßnahmen in vielen Einzelschritten auszuführen, die einen fortlaufenden, weitgehend störungsfreien Betrieb auf dem übrigen Gelände garantieren.

Zu erhaltender Bestand (schwarz), versetzbare Bauten (schraffiert) und Abriss (weiß).

Umsetzung in 12 Bauphasen (beispielhaft).

In Szene gesetzte Historie

Historisch relevante Gebäude werden nicht nur erhalten, sondern durch die umgebende Bebauung ins Zentrum gerückt und exponiert. Diese sind unter anderem die Ostermayr-Villa von 1920, die als ältestes Gebäude des Areals die Anfänge der Bavaria Studios erlebt und zahlreiche wichtige Persönlichkeiten der Film- und Fernsehgeschichte beherbergt hat, das erste Studio von 1921 und die Tontechnikhalle von 1939. Sie werden von den Anbauten befreit, die mit der Zeit um sie herum gewachsen sind, und erhalten ihre ursprüngliche Gestalt wieder. Das Studio 4/5, das 1949 ursprünglich als Provisorium errichtet worden war und seitdem mehrfach saniert wurde, bleibt so lange erhalten, wie seine Bausubstanz eine sinnvolle Nutzung zulässt. Danach soll stellvertretend die stählerne Dachkonstruktion, die darüber gesetzt wurde, erhalten bleiben und weiterhin als Überdachung einer Freifläche dienen.

Das Glashaus, das erste Studio in Grünwald und eines der ersten Europas um 1919. (Quelle: Bavaria Film, 2022)

Kaum noch zu erkennen: Das ehemalige Glashaus ist heute eingepackt und von Anbauten umringt.

In neuem Glanz und alter Glorie soll das freigelegte Studio wieder erstrahlen, zurückversetzt in seine ursprüngliche Gestalt.

Einteilung in Quartiere

Quartiere und ihre Zentren.

Aufteilung des Areals

Aus den im ersten Schritt identifizierten zu erhaltenden Bestandsstruk-turen werden im nächsten Schritt Quartiere gebildet. Das Durcheinander der Nutzungen wird nun geordnet. Jedes Quartier prägt ein bestimmter Nutzungsschwerpunkt und ein eigener Charakter.

Die Quartiere unterscheiden sich in ihrer Größe und ihren Gebäudety-pen, erhalten klare Kanten und Eingänge sowie eigene Mittelpunkte. Dadurch und durch die Landmarks entlang der zentralen Straße gelingt es, eine deutlich bessere Orientierung auf dem Areal zu bewirken als dies aktuell der Fall ist. Es bilden sich erkennbare Adressen und eine spürbare Struktur aus. Die unterschiedliche Körnung verschiedener Gebäudetypen wird bewusst genutzt: Innerhalb der Quartiere wird die Diskrepanz reduziert, während die Quartiere sich wiederum voneinander unterscheiden und in Klein-, Mittel- und Großformatige Bereiche eingeteilt werden.

Die Quartiere

Ganz im Westen neben dem Eingang des Areals liegt ein Mischquartier, das temporäres Wohnen und branchenoffene Büronutzungen beinhaltet. Angrenzend folgt ein weiteres Quartier mit Arbeitsräumen, dessen Zuordnung je nach Bedarfsentwicklung zur Medienbranche oder branchenunabhängig gestaltet werden kann.

Dahinter wiederum liegt im Herzen des Areals das Kreativquartier. Hier entstehen Büros und Ateliers vornehmlich für Unternehmen der Medienbranche und des Kultursektors. Inmitten dieses Quartiers befindet sich das ehemalige Studio 1, das zur Gastronomie umgebaut wird, möglichst viel seiner ursprünglichen Form zurückerlangt und sowohl zum Denkmal, Exponat als auch zum lebendigen Mittelpunkt des Quartiers und des Areals wird. Die südliche Hälfte des Quartiers, die der Hauptverkehrsstraße zugewandt ist, beherbergt weitere Gemeinschaft und Austausch fördernde Funktionen: Hier befinden sich zum Beispiel die Ausbildungsräume der Bavaria Film, eine Kita, ein Fitnessstudio, eine Bäckerei oder Bistro und großzügige Freiflächen mit Tischtennisplatten.

Im Süden entsteht ein Quartier, das v.a. großformatige, autarke Gebäude beinhaltet, die jeweils ihre eigene private Mitte haben und sich zugleich um einen großen Hof reihen, der für Feste oder andere Veranstaltungen genutzt werden kann. Den Hof überspannt das Dach des ehemaligen Studios 4/5, das einen großzügigen geschützten Außenbe-reich generiert. Bestandteile dieses Quartiers sind auch vier Studios aus den Jahren 1949 und 1950, die trotz ihres Alters noch einige Zeit als Studios fungieren können. Sie sind im Gegensatz zu den Bauten im Studioquartier für dauerhafte Belegungen durch bleibende Nutzer vorgesehen, d.h. sie benötigen keine enge Anbindung an den Logistikbereich.

Die östliche Hälfte des Geländes wird dagegen vom wechselnden Studiobetrieb bestimmt. Hier befindet sich das logistisch anspruchsvolle Studioquartier und angrenzend dahinter der Bereich für Logistik und Werkstätten. Diese Quartiere werden späterer ausführlicher erläutert.

Neue Verteilung der Nutzungen

Der Plan links zeigt die Nutzungsverteilung auf dem Gelände im Entwurf, in Übereinstimmung mit der zuvor erläuterten Einteilung in Quartiere. Sie bietet ein deutlich aufgeräumteres Bild als im bisherigen Bestand. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, die Verkehrsführung den Nutzungen entsprechend umzustrukturieren und in vielerlei Hinsicht zu optimieren, wie im folgenden Abschnitt dargelegt wird.

Schwarzplan des Entwurfs.

Zum Vergleich: Schwarzplan des Bestands.

Gebäude des Bavaria Areals nach Nutzung im Entwurf.

Zum Vergleich: Gebäude nach Nutzung im Bestand.

Optimierung der Verkehrsführung

Die Hauptverkehrsachse

Die Straße Bavariafilmplatz bleibt die zentrale Erschließung des Areals. Alle Quartiere sind hieran angebunden. Von der großzügigen, weil vielbefahrenen Straße aus führen schmalere Abzweigungen in die Quartiere hinein und zwischen ihnen hindurch. Die Straße wird umsäumt von Bäumen und Grünstreifen, die sich zu beiden Seiten hin regelmäßig zu größeren Grünflächen öffnen. Durch den Bau von Tiefgaragen unterhalb der Neubauten und ein Parkhaus nahe der Geländeeinfahrt werden die parkenden Autos entlang der Straße massiv reduziert und der Charakter eines Grünbandes, das sich durch die Quartiere schlängelt, erhalten. Entlang dieses Bandes begegnen den Passanten Gebäude und Plätze als Orientierungspunkte.

Optimierte Verkehrsführung im Entwurf.

Zum Vergleich: Verkehrsführung im Bestand.

Trennung verschiedener Verkehrsformen

Um für Fußgänger, Rad- und Rollerfahrende mehr Sicherheit zu ermöglichen, für PKW schnelle und störungsfreie Zufahrten zu schaffen und für große Transporte mit LKW oder Lieferwagen gut befahrbare, intelligente Strecken, werden diese unterschiedlichen Verkehrsformen voneinander getrennt. Das bedeutet insgesamt weniger Warten, weniger Verirren, und weniger Störungen und Gefahr für alle.

Wege für Mitarbeitende

Dadurch, dass alle Funktionen des Studiobetriebs in ein Quartier mit eigener Zufahrt zusammengefasst werden , kann auf die Umzäunung im westlichen Bereich verzichtet werden und damit auch die Pforte am Eingang des Areals. Das bedeutet, dass sich das Gelände der Umgebung öffnet, statt sich abzuschotten. Es bedeutet aber auch, dass der tägliche Stau an der Pforte entfällt. An der neuen Pforte, die an der Zufahrt zum Studioquartier benötigt wird, ist das Verkehrsaufkommen auf einen Bruchteil reduziert.

Eine Mitarbeiterin z.B. eines Medienunternehmens fährt also über die Straße Bavariafilmplatz in das Areal ein, parkt in Parkhaus oder Tiefgarage und geht anschließend die letzten Meter zu Fuß in ihr Büro im Kreativquartier. Optimalerweise fährt sie natürlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die sie bis kurz vor den Eingang des Areals bringen.
Die nördlichen Quartiere sind autofrei, nur das südliche Quartier wird befahren, weil dort unter anderem die FTA (Fundus) direkt angefahren werden muss.

Transportwege und Studiologistik

Anlieferung und Abtransporte für den Studiobetrieb werden außen um das Areal herumgeführt. So kreuzen sie nicht den Verkehr der anderen Quartiere, kommen ungehindert ans Ziel und auf dem Areal entsteht weniger Lärm. Ein Lastwagen umfährt über die Bavariafilmstraße das Gelände, um dann zum zentralen Umschlagplatz abzubiegen. Hier wird entweder direkt be- oder entladen oder der LKW weiter zu seinem Ziel innerhalb des Quartiers geschickt. Gerade, kurze Wege verbinden die Gebäude und Flächen der Logistik und des Studiobetriebs.

Reduzierter umzäunter Bereich im Entwurf.

Zum Vergleich: umzäunter Bereich im Bestand.

Die Filmtour

Der neue Eingang zum Bavaria Filmpfad.

Der Filmpfad führt als “roter Teppich” durch das Bavaria-Gelände.

Eingang und Startpunkt

BesucherInnen der Bavaria Filmstadt erreichen den Startpunkt ihrer Tour direkt von der Gabriel-von-Seidl-Straße aus, statt dass sie um das Gelände herumfahren müssen und seitlich hineingeführt werden. Verirrte TouristInnen, die den falschen Eingang wählen, gibt es somit nicht mehr. Unmittelbar neben dem Eingang des Areals befindet sich außerhalb der Busparkplatz und die Zufahrt zur Tiefgarage für BesucherInnen. Von dort aus sind es nur wenige Schritte zur alten Ostermayr-Villa, die den Einlass und Beginn der Tour darstellt. Der Beginn der Standortgeschichte ist somit der Beginn der Tour.

Der Bavaria Filmpfad

Nach dem Start in der alten Villa folgt die Tour einem eigenen, vom übrigen Verkehr unabhängigen Pfad, der sich als „roter Teppich“ zwischen Grünanlagen und Exponaten entlangschlängelt und alle relevanten Bauten passiert: Erst die historischen Bauten wie das alte Tontechnikgebäude aus den 30er Jahren und das erste Studio, dann folgt das Filmmuseum und anschließend die modernen Studios. Der Pfad wird zu seiner Rechten durch bepflanzte Retentionsmulden von der Straße getrennt, zur Linken von Gebäuden und Bäumen gesäumt. Die Windungen des Weges sind so angelegt, dass der Blick während des Beschreitens stets möglichst lang auf das nächste sehenswerte Objekt gerichtet ist. Die Exponate, die den Weg begleiten, können temporär oder dauerhaft aufgebaute Requisiten und Setelemente bekannter Produktionen sein, ebenso wie Bilder und Ausstellungsstücke der Filmgeschichte. An diesen Punkten verbreitert sich der Weg zu kleineren Aufenthaltsflächen, die durch Sitzbänke begrenzt und ergänzt werden. (So wird Stau vermieden und die Grünfläche geschont.) Der größte Teil des Weges ist dank des neuen Verkehrskonzeptes frei zugänglich und mit Infotafeln versehen, sodass der erste Part des Besuchs ohne Führung funktioniert.

Der Museumsplatz mit Filmmuseum und Gastronomie im ehemaligen Studio 1.

Der Eingang zum neuen Museum.

Das Filmmuseum

Im Mittelpunkt des Geländes an der zentralen Straße liegt das neue Filmmuseum. Was bislang ein Bürogebäude ist, wird umgewidmet, mit neuer Fassade energetisch ertüchtigt und soll Dauerausstellungen zur Filmgeschichte, sowie eventuell Wechselausstellungen zu spezifischen Themen oder Personen beherbergen. Vor dem Museum liegt ein großer Platz, der für Veranstaltungen genutzt werden kann. Er schließt direkt an die Freiflächen um das ehemalige Studio 1 an, das als Gastronomie und Eventlocation ebenfalls diese erweiterten Platz nutzen kann. Die neue Fassade an der Nordwest-Seite des Museums bietet eine optimale Display-Fläche für Ankündigungen des Museums oder des Studiostandortes, entweder klassisch in bespannten Rahmen oder direkt als Medienfassade. Gemeinsam mit dem Museumsplatz kann sie auch für Events oder als Außenkino verwendet werden.

Nach dem Museum führt der Weg die BesucherInnen an einigen weiteren Exponaten vorbei und durch das U-Boot-Set aus „Das Boot“ hindurch hin zum Vorplatz des Studioquartiers. Unter einem großen Vordach liegt der Eingang zum Besucherzentrum (zugleich Publikumsfoyer und Cateringgebäude), das die Zugangskontrolle und auf einer Galerie ggf. eine weitere Ausstellung beinhaltet. Über die Galerie führen zwei Treppen nach oben auf das Dach, das einen Ausblick über das ganze Bavaria-Areal bietet. Von hier aus geht die Tour weiter auf der Bavaria Promenade, die unten beschrieben ist.

Am Ende des Besuchs oder als Pause zwischendrin kann im ehemaligen Studio 1 eine warme Mahlzeit oder beim Café am Museumsplatz Kaffee und Kuchen genossen werden.

Der Vorplatz des Studioquartiers und Eingang zur Bavaria Promenade.

Einzigartig:
Die Bavaria Promenade im Studioquartier

Auf der Dachterrasse des Studioquartiers angelangt geht die Tour weiter über dach Dach der Mall – ein langer überdachter Bereich, der die Studios verbindet. Das Dach dient als Promenade, auf der BesucherInnen in 6,5 m Höhe an den Studios vorbeispazieren und in die Ausstellungsräume gelangen können, die im zweiten Obergeschoss der Studiogebäude liegen. Sitzelemente und bepflanzte Hochbeete verteilen sich auf der Promenade, in deren Mitte verglaste Aussparungen Durchblicke nach unten in die Mall erlauben. Die Ausstellungsräume in den Studios können Bavaria-spezifische Inhalte zeigen – ergänzend zu den allgemeinen Ausstellungen im Filmmuseum – und haben jeweils ein großes Fenster, das den Blick direkt ins Studio gewährt. (Diese Fenster können bei Bedarf von innen verschlossen werden, wenn die Arbeiten im Studio nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt sind.) Mit diesem Konzept gelangen BesucherInnen so nah wie möglich an die Studioproduktionen heran und bekommen viel zu sehen, werden jedoch zugleich räumlich vom Betrieb getrennt und ihre Einblicke können kontrolliert gesteuert werden.

Blick entlang der Bavaria Promenade auf dem Dach der Mall. BesucherInnen spazieren antlang der Grünfassaden von Studios und Bavaria Zentrum in 6,5 Metern Höhe.

Sitzmöbel gestatten eine kleine Pause zwischen den Ausstellungsräumen. Diese liegen im 2. OG der Gebäude und lassen BesucherInnen direkt in die Studios blicken.

Letztes Ziel der Bavaria Promenade: Das Kino, das über der Mall schwebt und (bei geöffneter Leinwand) einen Blick über das gesamte Areal bietet.

Neugestaltung des Freiraums

Das ehemalige Studios 1 mit seinen umgebenden Plätzen.

Grünräume und unversiegelte Flächen

Das Freiraumkonzept folgt einem einfachen Grundsatz: Alles was grün sein kann, ist grün. Dank der neuen Verkehrsführung werden vielbefahrene und mit schweren Lasten befahrene Straßen maßgeblich reduziert, sodass ein großer Teil der bislang asphaltierten Verkehrsflächen unversiegelt ausgeführt werden kann, beispielsweise gepflastert, ebenso wie Plätze und Freiflächen. Somit kann der Boden bei Niederschlag viel Wasser aufnehmen, was vor Überschwemmungen schützt und in trockenen Phasen Feuchtigkeit spendet und das Mikroklima maßgeblich verbessert. Dadurch, dass Neubauten konsequent mit mehr Geschossen errichtet werden, wird eine Menge neuer Nutzflächen generiert, sodass bei mehr Nutzfläche und mehr Volumen weniger Grundfläche bebaut wird. Auch dadurch wird die Versiegelung massiv verringert.

Wasser- und Retentionsflächen

Zwischen der zentralen Straße und dem Weg der Filmtour sind Mulden geplant, die als Retentionsbecken dienen, d.h. bei Regen Wasser sammeln und bei Trockenheit Feuchte spenden. Die Mulden werden mit Sträuchern bepflanzt, die diese wechselhaften Bedingungen vertragen. So ergeben sich schöne Grüninseln, die eine wirksame Maßnahme bei Starkregenereignissen und Trockenphasen darstellen, mit denen in Zukunft häufiger zu rechnen ist. Ein großer Teil der Dachflächen wird als Flachdach ausgeführt und soll begrünt werden, sodass diese ebenfalls als Retentionsflächen dienen. Mehrere Wasserbecken auf verschiedenen Plätzen bewirken den gleichen Effekt und bieten eine zusätzliche freiräumliche Qualität. Gegebenenfalls können diese Becken durch unterirdische Zisternen ergänzt werden, in denen Regenwasser gesammelt und bei Bedarf verwendet werden kann.

Die grüne Hauptverkehrsstraße.

Bepflanzte Retentionsmulde.

Grünflächen und Versiegelung im Entwurf.

Grünflächen und Versiegelung im Bestand.

Vergleich der Flächen im Bestand (links) und im Entwurf (rechts).

Plätze als Begegnungs- und Erholungsräume

Mit seiner neuen Struktur besitzt das Gelände vielfältige Freiflächen, die Raum für Erholung, Kommunikation und Veranstaltungen bieten und das Areal offener und ansprechender gestalten. Jedes Quartier hat einen begrünten Innenhof mit von Bäumen beschatteten Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen oder für Besprechungen im Freien einladen. Entlang der Straße tun sich zu beiden Seiten regelmäßig Freiflächen auf, zum Teil als Grünfläche, zum Teil als sickerfähig gepflasterter Platz. Die größten Plätze sind die, die Studio 1 (jetzt Gastronomie) umgeben, der Museumsplatz, der Vorplatz zum Studioquartier und die Freifläche, die sich unter dem Dach des ehemaligen Studio 4/5 nach dessen Abriss auftut. Letzterer stellt eine großzügige überdachte Fläche dar, die vielfältig bespielt werden kann. Ein Teil des Platzes kann abgesenkt werden, sodass er als Wasserbecken für Drehs unter oder im Wasser verwendet werden kann. Sinnvollerweise wird das Becken durch eine Greenscreen-Wand ergänzt – wenn möglich als Schiebe- oder Klappkonstruktion, die im Dach oder seitlich verschwinden kann, wenn sie nicht benötigt wird. Die Ränder des Beckens dienen mit Sitzstufen versehen als Aufenthaltsmöglichkeit. Wenn das Wasser in der Zwischenzeit nur teilweise abgelassen wird, wirkt es im Sommer als weitere Kühlungsquelle.

Blick in den grünen Hof eines Quartiers. Darunter liegt eine Tiefgarage.

Der Platz unter dem Dach des ehemaligen Studio 4/5 mit Wasserbecken.

Vegetation und Blickbezüge

Wo die Bebauung Raum zur Grundstücksgrenze lässt, soll der angrenzende Forst erweitert werden, sodass er gleichsam in die Zwischenräume „hineinfließt“. Die Nähe zum Forst, die bisher teilweise kaum wahrzunehmen ist, sobald man das bebaute Gelände betritt, wird deutlicher erlebbar, indem Blickachsen ins Grüne geöffnet werden. Wo bisher Gebäude den Blick in die Umgebung versperren, soll nun der Wald sichtbar werden.
Grünflächen werden so mit Bäumen und Sträuchern bepflanzt, dass von der zentralen Straße aus der Blick auf wichtige Gebäude und Orientierungspunkte frei bleibt. Zur Mitte hin wird die Vegetation daher niedriger.
Die neuen Studios erhalten Grünfassaden, die zur Kühlung der Gebäude und zur Verbesserung der Luftqualität beitragen.

Grünflächen und Blicke ins Grüne im Entwurf.

Zum Vergleich: Grünflächen und Blicke ins Grüne im Bestand.

Umsetzung in Phasen

Die Umstrukturierung des Areals ist für mehrere Jahrzehnte angesetzt und soll sukzessiv angegangen werden. Um einen möglichst geringen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, spielen dabei zwei Faktoren eine Rolle: Einerseits der energieeffiziente Betrieb der Gebäude, andererseits die möglichst lange Nutzung von Bestand, um das Verschwenden grauer Energie zu reduzieren. Zwischen diesen Faktoren muss ein sinnvoller Mittelweg gefunden werden, der dazu führt, dass Gebäude mit schlechter Energiebilanz zuerst durch neue ersetzt werden. Dann sollen nach und nach alte Strukturen weichen, bestenfalls erst, sobald sie „abgewohnt“ sind. Modular errichtete Bauten können von dieser Regel ausgenommen werden, da deren graue Energie vergleichsweise kaum ins Gewicht fällt. Der Entwurf erlaubt diese schrittweise Umgestaltung und ermöglicht so auch, dass der Betrieb auf dem Gelände während der Umsetzung weitgehend ungestört fortgeführt werden kann.

Beispielhafte Aufteilung der Maßnahmen in auf den Betrieb, den Bedarf und die Bausubstanz abgestimmte Phasen.

Lageplan des Entwurfs mit Freiraumplanung.